Auf Ungarisch denken, gestalten, diskutieren – auch in Hamburg
Für 10- bis 14-Jährige bedeutet die ungarische Sprache weit mehr, als Rechtschreib- und Grammatikregeln zu lernen. In der Oberstufengruppe der HMI möchten wir, dass die Jugendlichen Ungarisch verwenden: in dieser Sprache sprechen, lesen, schreiben, fragen, diskutieren und gestalten – und dabei die alten und heutigen Gesichter der ungarischen Kultur entdecken.
Im Schuljahr 2026/27 starten die Oberstufenstunden mit einem neuen Konzept und einem neuen Lehrer.
Unser neuer Lehrer: Sándor Bodó
Die Gruppe leitet Sándor Bodó, Intermedia-Künstler und Kunstpädagoge. Sándor leitet derzeit in Hamburg eine kreative Holzwerkstatt für Menschen mit Behinderung. Seine künstlerische Sichtweise und Kreativität bringt er auch in die HMI ein: Ungarische Sprache, Literatur, Geschichte und Kultur verbinden sich in den Stunden der Oberstufe mit Kunst, Medien, visueller Kultur und gemeinsamem Gestalten.
In den Stunden folgen deshalb keine getrennten Fächer aufeinander. Aus einem literarischen Text kann ein Comic werden, ein historisches Ereignis können wir anhand von Fotos und Radioaufnahmen untersuchen, aus einem ungarischen Symbol kann ein zeitgenössisches Plakat entstehen, und ein Gedicht kann uns zu heutigen ungarischen Songtexten führen.
Das Ziel bleibt dabei immer dasselbe: möglichst viel echter Gebrauch der ungarischen Sprache.
Herkunftssprache – auf unterschiedlichen Sprachniveaus
Die Oberstufengruppe ist eine herkunftssprachliche Gruppe: Wir erwarten Kinder, in deren Leben die ungarische Sprache präsent ist – wie viel und wie sicher sie aber Ungarisch sprechen, lesen oder schreiben, kann sehr unterschiedlich sein.
Deshalb passen wir auch die Lese-, Textverständnis-, Schreib- und Grammatikaufgaben differenziert an das aktuelle Sprachniveau der Kinder an. Grammatik begegnet uns möglichst nicht als isolierte Regeln: Die Ortsendungen kommen in einem Budapest-Hamburg-Projekt vor, die Vergangenheitsform beim Bearbeiten einer Geschichte oder eines historischen Ereignisses und das Argumentieren beim Vorbereiten einer Debatte oder einer Werbung.
Die geplanten Themen des ersten Halbjahres 2026/27:
29. August – Moin und szia! Wer bin ich?
Im Mittelpunkt des ersten Termins stehen Lebenslauf, Selbstvorstellung und mehrsprachige Identität. Wir beginnen mit Lese- und Textverständnisaufgaben, dann schreiben die Kinder über sich selbst: Wie stellen wir uns vor, welche Informationen über uns sind wichtig, und wie ist ein kurzer autobiografischer Text aufgebaut?
Ausgehend von János Lackfis Buch Milyenek a magyarok? (Wie sind die Ungarn?) untersuchen wir dabei auch, wie sich die Ungarn selbst sehen, welche Stereotype es über uns gibt und ob es den „homo hungaricus“ überhaupt gibt. Was bedeutet es, ungarisch zu sein, wenn man in Hamburg aufwächst und sich ganz selbstverständlich zwischen mehreren Sprachen und Kulturen bewegt?
12. September – Was für eine Sprache ist Ungarisch?
Ausgehend von Gedanken aus Ádám Nádasdys Milyen nyelv a magyar? und Abbas Khiders Deutsch für alle betrachten wir die ungarische und die deutsche Sprache von außen.
Was ist am Ungarischen für jemanden, der Deutsch spricht, seltsam – und was ist am Deutschen seltsam für jemanden, der von außen kommt? Wir beschäftigen uns mit Endungen, Wortstellung, Artikeln und der Frage des grammatischen Geschlechts, zerlegen Sätze und bauen sie neu zusammen. Am Ende steht die Frage: Wenn es nach uns ginge – was würden wir am Ungarischen oder am Deutschen ändern?
26. September – Zeichen, Bilder, Ungarn
Woran erkennen wir etwas als „ungarisch“? Anhand von Wappen, Krone, Flagge, volkskünstlerischen Motiven sowie historischen und heutigen Symbolen untersuchen wir, wie kulturelle Symbole entstehen und sich verändern.
Die Kinder können ein ausgewähltes Motiv in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzen: Daraus kann ein Logo, ein Plakat, ein Albumcover, Street Art oder sogar der Entwurf eines erdachten Kleidungsstücks entstehen.
10. Oktober – Ungarn gezeichnet
Bei diesem Termin stehen der ungarische Zeichentrickfilm, Animation und Comic im Mittelpunkt. Von der Welt Attila Dargays – Lúdas Matyi, Vuk, Szaffi – über die charakteristische visuelle Kultur der Ungarischen Volksmärchen bis hin zu zeitgenössischeren Werken.
Am Beispiel von Lúdas Matyi schauen wir uns auch an, was passiert, wenn aus einem literarischen Werk ein Zeichentrickfilm wird: Was wird weggelassen, was verändert, und was können Bild und Ton hinzufügen? Im Mittelpunkt der Spracharbeit stehen Dialog, Erzählen und Charakterbeschreibung, im kreativen Teil kann eine eigene Figur oder ein kurzes Storyboard entstehen.
7. November – Hexen, Irrlichter und Garabonciás
Im Herbst wagen wir uns in die dunklere Welt des ungarischen Volksglaubens. Anhand von Hexen, Irrlichtern, Táltos, Garabonciás (zauberkundigen fahrenden Schülern), Drachen, Aberglauben und Volksglauben sprechen wir darüber, wovor sich die Menschen früher fürchteten und wie sie versuchten, das Unbekannte mit Geschichten zu erklären.
Neben dem Lesen kurzer Sagen und Glaubensgeschichten geht es um Beschreibung, Erzählen, Adjektive und bildhafte Sprache. Am Ende kann das eigene Ungarische Bestiarium der Gruppe entstehen.
21. November – 1956: Bild, Ton, Propaganda
1956 betrachten wir vor allem mit den Augen der Medien. Anhand von Fotos, zeitgenössischen Zeitungen, Plakaten, Radio und der Fahne mit dem Loch fragen wir, wie sich dasselbe historische Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen lässt.
Was ist Tatsache, was Meinung, und wo beginnt Propaganda? Was zeigt ein Foto – und was bleibt außerhalb des Bildes? Neben historischem Wissen spielen so auch Quellenkritik und Medienkompetenz eine wichtige Rolle.
5. Dezember – Hungarikum oder Marketing?
Zauberwürfel, Busójárás, Tanzhaus, Matyó-Stickerei, Gulasch, Puskás, Paprika, Baumstriezel – aber was macht etwas wirklich zu einem Hungarikum, und warum halten wir etwas einfach für „typisch ungarisch“?
Anhand der Hungarika sprechen wir auch über Werbung, Marken und das Image eines Landes. Welches Ungarn zeigt man den Touristen – und welches würden die 10- bis 14-Jährigen ihrer eigenen Altersgruppe zeigen?
12. Dezember – Gedichte, Musik, Texte
Wo endet das Gedicht, und wo beginnt der Songtext? Wir stellen klassische ungarische Lyrik und heutige ungarische Musik nebeneinander und suchen darin Rhythmus, Reim, Wiederholung, Metapher, Refrain und Slang.
Die Texte lesen und interpretieren wir nicht nur: Daraus können eigene Vierzeiler, Blackout Poetry, Songtexte, Rap oder Slam entstehen.
16. Januar – Budapest × Hamburg
Zwei Städte, zwei Flüsse und zwei Kulturräume. Wir vergleichen Budapest und Hamburg anhand von Straßenbildern, Graffiti, Plakaten, Architektur, Typografie, Brücken und öffentlichen Plätzen.
Dabei üben wir auch die ungarischen Ortsendungen und Postpositionen, und aus den beiden Städten kann sogar ein neues, erdachtes Budapest × Hamburg Mashup entstehen.
23. Januar – Ungarisch – wie ich es sehe
Am Ende des Halbjahres kehren wir zur Frage des ersten Termins zurück: Was bedeuten mir die ungarische Sprache und Kultur?
Die Kinder können aus den im Halbjahr kennengelernten literarischen, sprachlichen, historischen, künstlerischen und medialen Themen ein eigenes Projekt gestalten. Die Form ist frei: Video, Podcast, Comic, Plakat, Fotoserie, Collage, Animation, Slam oder Präsentation.
Wir suchen nicht nach der einen richtigen Antwort darauf, wie die ungarische Kultur ist. Vielmehr möchten wir, dass jede und jeder darin das findet, womit sie oder er sich selbst verbinden kann.
Mehrsprachigkeit ist cool
In der Diaspora konkurriert die ungarische Sprache nicht mit dem Deutschen oder anderen Sprachen der Kinder. Im Gegenteil: Sie ist eine weitere Sprache, in der sie denken, lesen, gestalten, Freundschaften schließen und sich ausdrücken können.
In der HMI ist Ungarisch deshalb nicht einfach ein Fach, sondern auch eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsamer Kulturraum.
Die Ungarische Schule Hamburg bietet offiziell anerkannten Herkunftssprachenunterricht an. Die regelmäßige Teilnahme wird ins Hamburger Schulzeugnis eingetragen.
Die Stunden finden alle zwei Wochen samstags von 10:00 bis 13:00 Uhr statt.
Die Themen können sich im Laufe des Halbjahres nach den Interessen, dem Sprachniveau und den aktuellen Bedürfnissen der Gruppe ändern.
Wir freuen uns auf Anmeldungen von 10- bis 14-Jährigen!
Zur Anmeldung schickt bitte das folgende Anmeldeformular ausgefüllt und unterschrieben an info@hamburgimagyariskola.de.
Beim ersten Termin ist auch eine kostenlose Probestunde möglich.


